Wasser


Wasser

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Was|ser ['vasɐ], das; -s, - und Wässer ['vɛsɐ]:
1. natürliche, durchsichtige, weitgehend farb-, geruch- und geschmacklose Flüssigkeit:
hartes, weiches, enthärtetes Wasser; ein Glas, Eimer Wasser; ein Tropfen, ein Liter Wasser; Wasser verdunstet, gefriert; das Wasser kocht, siedet; das Wasser tropft, rinnt, fließt; Wasser lassen (urinieren); vor Rührung trat uns das Wasser in die Augen (begannen wir zu weinen); es war heiß, sodass allen das Wasser (der Schweiß) nur so von der Stirn rann.
Syn.: das feuchte Element, das nasse Element, Feuchtigkeit.
Zus.: Abwasser, Badewasser, Bergwasser, Brunnenwasser, Frischwasser, Grundwasser, Industriewasser, Kaffeewasser, Kühlwasser, Leitungswasser, Löschwasser, Meerwasser, Quellwasser, Regenwasser, Schmelzwasser, Schmutzwasser, Teewasser, Trinkwasser.
2. <ohne Plural> Gewässer:
das Wasser ist sehr tief; am Wasser liegen und sich sonnen; kommst du mit ins Wasser?; etwas schwimmt, treibt auf dem Wasser.
Zus.: Fahrwasser, Fischwasser, Wildwasser.

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Wạs|ser 〈n. 13; bei Mineralwasser u. Ä. auch: n. 13u
1. farblose, bei 0 °C gefrierende Flüssigkeit, chem. Formel H2O
2. Inhalt von Meer, See, Fluss (Fluss\Wasser, Meer\Wasser, Quell\Wasser, Leitungs\Wasser, Regen\Wasser, See\Wasser, Trink\Wasser)
4. Flüssigkeit zu Heil- od. kosmet. Zwecken (Gesichts\Wasser, Haar\Wasser, Mineral\Wasser)
5. mehr od. minder klare, vom Körper gebildete Flüssigkeit: Tränen, Schweiß, Speichel, Lymphe, Harn
● ein Becher, Eimer, Glas, Topf (voll) \Wasser ● jmdm. das \Wasser abgraben 〈fig.〉 jmds. Wirksamkeit einschränken, seine Existenz gefährden; sein \Wasser abschlagen Harn abgehen lassen, harnen, urinieren; \Wasser brodelt, kocht, siedet; \Wasser fassen, nehmen 〈Mar.; Eisenb.〉 Wasservorrat aufnehmen; das \Wasser fließt, rauscht, schwillt, spritzt, strömt; ihm floss das \Wasser von der Stirn der Schweiß; \Wasser hat keine Balken 〈Sprichw.〉 im Wasser muss man schwimmen können, Wasser hält niemanden fest; das \Wasser, sein \Wasser nicht halten können; \Wasser kochen, trinken; \Wasser lassen Harn abgehen lassen, harnen, urinieren; er kann ihm nicht das \Wasser reichen 〈fig.〉 er kommt ihm nicht gleich, er ist ihm unterlegen; das \Wasser schoss ihm in die Augen er begann unwillkürlich zu weinen; \Wasser schlucken (beim Schwimmen, Tauchen); \Wasser mit einem Sieb schöpfen 〈fig.〉 sich vergebl. Mühe machen; das \Wasser steht ihm bis zum Halse 〈fig.〉 er befindet sich in bedrängter (finanzieller) Lage; das \Wasser stürzte ihr aus den Augen; \Wasser treten sich durch tretende Beinbewegungen senkrecht an einer Stelle im Wasser halten; zusammenlaufen: das \Wasser läuft einem im Munde zusammen Speichel bildet sich vor Appetit, Gier auf den Genuss\Wasser abstoßend = wasserabstoßend; \Wasser abweisend = wasserabweisend; flaches, seichtes, tiefes \Wasser; fließendes \Wasser Fluss, Bach; Zimmer mit fließendem \Wasser mit Wasserleitung; \Wasser führend = wasserführend; gebrannte \Wasser 〈schweiz.〉 Schnäpse; hartes, weiches \Wasser; kaltes, warmes, heißes, kochendes \Wasser; klares, trübes, frisches, reines \Wasser; ein Edelstein reinsten \Wassers von vollkommener Reinheit, Durchsichtigkeit; ein Berliner reinsten \Wassers 〈fig.〉 ein ganz echter, unverfälschter B.; stehendes \Wasser Teich, See; stille \Wasser sind tief 〈fig.〉 hinter der ruhigen, verschlossenen Außenseite eines Menschen verbirgt sich oft mehr, als es den Anschein hat; bis dahin läuft noch viel \Wasser den Berg hinunter 〈fig.〉 bis dahin geschieht noch manches; ihre Augen standen voll \Wasser; wohlriechende Wässer ● nah(e) ans \Wasser gebaut haben 〈fig.; umg.〉 leicht weinen; das ist \Wasser auf seine Mühlen 〈fig.〉 das unterstützt seine Meinung; wie aus dem \Wasser gezogen 〈umg.〉 völlig durchnässt; bei \Wasser und Brot eingesperrt sein; munter wie ein Fisch im \Wasser sein; das war ein Schlag ins \Wasser 〈fig.〉 ein nutzloses Unternehmen; ins \Wasser fallen, gleiten, springen, stürzen; das Fest, Unternehmen ist ins \Wasser gefallen 〈fig.〉 hat nicht stattgefunden, ist nicht durchgeführt worden; ins \Wasser gehen 〈fig.〉 sich ertränken; \Wasser in den Beinen haben krankhafte Wasseransammlung in den Geweben der Beine; \Wasser in die Elbe, den Rhein, ins Meer tragen 〈fig.〉 etwas Überflüssiges tun; jmdm. \Wasser in den Wein gießen 〈fig.〉 seine Begeisterung dämpfen; es wird überall nur mit \Wasser gekocht 〈fig.〉 es wird überall genauso gearbeitet, es wird woanders nichts anders, besser gemacht; mit allen \Wassern gewaschen sein 〈fig.〉 gerissen, raffiniert sein, alle Schliche, (geschäftl.) Tricks kennen; sich über \Wasser halten (von Schiffbrüchigen); sich (mühsam) über \Wasser halten 〈fig.〉 (mühsam) sein Leben fristen, seine Existenz erhalten; übers große \Wasser fahren 〈fig.〉 nach Übersee; unter \Wasser schwimmen; die Wiesen stehen unter \Wasser sind überschwemmt; der Vorwurf, die Rüge läuft an ihm ab wie \Wasser 〈umg.〉 hinterlässt bei ihm keinen Eindruck; ein Boot zu \Wasser bringen, lassen; sich zu \Wasser und zu Lande fortbewegen können (Tier, Fahrzeug); einen Ort zu Lande und zu \Wasser erreichen können auf dem Land- u. auf dem Wasserweg; zu \Wasser gehen sich auf dem Wasser niederlassen (vom Wasserflugzeug) [<mhd. wazzer <ahd. wazzar <got. wato <idg. *uedor „Wasser“, *(a)ued- „benetzen, befeuchten, fließen“; → waschen]

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Wạs|ser, das; -s, -, fachspr. auch Wäs|ser; Syn.: Dihydrogenoxid, Wasserstoffoxid, (systematisch:) Oxidan: H2O; geruch- u. geschmacklose, farblos durchsichtige, in dicker Schicht bläuliche Flüssigkeit, MG 18,015, Dichte in g/mL 0,9168 (0 °C, Eis), 0,9998 (0 °C, Fl.), 1,0000 (4 °C), 0,9982 (20 °C), Smp. (Eispunkt) 0 °C = 273,15 K, Tripelpunkt 0,01 °C = 273,16 K, Sdp. 100 °C = 373,15 K ( Wasserdampf). Wasser entsteht bei der Verbrennung (Oxidation) von Wasserstoff u. wasserstoffhaltigen Verb. nach H2 + 1/2 O2 → H2O; durch Elektrolyse wird W. in seine Bestandteile zerlegt. Schweres Wasser (D2O) ist in natürlichem W. zu 0,015 % enthalten ( Deuteriumoxid). Als Trinkwasser oder Betriebswasser zu verwendendes W. gewinnt man durch Wasseraufbereitung aus Rohwassern unterschiedlicher Herkunft, d. h. aus Süßwasser (< 0,05 % Salz, z. B. Grund-, Quell-, Oberflächenwasser), Brackwasser (0,05–3,0 % Salz, z. B. Ostsee, Lagunen, Strandtümpel) oder Salzwasser (> 3,0 % Salz, insbes. Meerwasser oder W. aus salzstocknahen Binnenseen); auch Abwässer müssen aufbereitet werden. Reines W. (vgl. Aqua) ist geringfügig dissoziiert nach H2O + H2O ⇌ H3O+ + HO (Autoprotolyse, vgl. Protolyse u. Ionen-Produkt). Als polare Fl. mit hohem Dipolmoment löst W. andere polare Stoffe oft sehr leicht, unpolare, insbes. org. Verbindungen, dagegen weniger. Mit starken Reduktionsmitteln reagiert W. unter Wasserstoffbildung, mit sehr starken Oxidationsmitteln (z. B. Fluor) unter Sauerstoffbildung. In mol. Form als Koordinationswasser gebunden liegt W. in Hydraten vor ( Aqua-). W. ist als Hauptbestandteil pflanzlicher u. tierischer Organismen u. a. verantwortlich für den Turgor der Gewebe, die Temperaturregulation u. den Stofftransport im Körper.

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Wạs|ser , das; -s, - u. Wässer [mhd. waʒʒer, ahd. waʒʒar, eigtl. = das Feuchte, Fließende]:
1.
a) <Pl. Wässer> ([hauptsächlich] aus einer Wasserstoff-Sauerstoff-Verbindung bestehende) durchsichtige, weitgehend farb-, geruch- u. geschmacklose Flüssigkeit, die bei 0 °C gefriert u. bei 100 °C siedet:
klares, sauberes, frisches, abgestandenes, kaltes, lauwarmes, schmutziges, gechlortes, trübes, kalkhaltiges, hartes, weiches, enthärtetes W.;
geweihtes W.;
W. zum Waschen;
ein Glas, ein Eimer W.;
ein Tropfen, ein Liter W.;
ein Zimmer mit fließendem W.;
W. mit Geschmack (landsch.; Limonade);
stilles W. (Mineralwasser ohne, mit wenig Kohlensäure);
schweres W. (Chemie; Wasser, das statt des gewöhnlichen Wasserstoffs schweren Wasserstoff, Deuterium, enthält);
W. verdunstet, verdampft, gefriert;
das W. kocht, siedet;
das W. tropft, rinnt, fließt, sprudelt, spritzt [aus dem Hahn];
W. holen, schöpfen, filtern, aufbereiten, destillieren;
W. [für den Kaffee] aufsetzen;
W. in die Badewanne einlaufen lassen;
W. trinken;
er hat beim Schwimmen W. geschluckt;
eine W. abweisende, abstoßende Imprägnierung;
eine W. führende Schicht;
das [heiße, kalte] W. (den Hahn für [heißes, kaltes] Wasser) aufdrehen, abdrehen;
die Blumen ins W. (in eine Vase mit Wasser) stellen;
der Keller steht unter W. (im Keller steht Wasser);
etw. unter W. setzen (überschwemmen, -fluten);
R das wäscht kein W. ab (diese Schande o. Ä. ist durch nichts zu tilgen);
da wird auch nur mit W. gekocht, da kochen sie auch nur mit W. (sie vollbringen auch nichts Überdurchschnittliches; urspr. bezogen auf die [wirtschaftlichen] Verhältnisse ärmerer Leute, bei denen mit Wasser statt mit Wein, Fleischbrühe o. Ä. gekocht wurde);
W. marsch! (Kommando zum Inbetriebsetzen einer Feuerspritze, einer Wasserkanone o. Ä.);
W. in ein Sieb/mit einem Sieb schöpfen (sich mit etw. von vornherein Aussichtslosem, mit etw. Unmöglichem abmühen);
[jmdm.] W. in den Wein gießen/schütten ([bei jmdm.] die Begeisterung dämpfen);
jmdm. nicht das W. reichen können (jmdm. an Fähigkeiten, Leistungen nicht annähernd gleichkommen; im MA. wurde vor den Mahlzeiten Wasser zur Reinigung der Hände herumgereicht; die Wendung meinte urspr., dass jmd. es nicht einmal wert sei, diese niedrige Tätigkeit auszuüben);
reinsten -s/von reinstem W. (1. von besonders klarem Glanz, besonderer Leuchtkraft: ein Diamant von reinstem W.; in der Fachsprache der Diamantenschleifer wird mit »erstes, zweites, drittes usw. Wasser« der Reinheitsgrad der Diamanten bezeichnet. 2. von besonderer Ausprägung: ein Egoist reinsten -s);
bei W. und Brot sitzen (veraltend; im Gefängnis sein);
zu W. werden (sich nicht verwirklichen lassen u. sich in nichts auflösen);
b) <Pl. -> Wasser (1 a) eines Gewässers; ein Gewässer bildendes Wasser (1 a):
auflaufendes, ablaufendes W.;
das W. ist sehr tief;
das W. steht, strömt, rauscht, plätschert, steigt, tritt über die Ufer, überschwemmt das Land;
das W. des Bachs treibt eine Mühle;
das W. trägt [nicht];
im Sommer führt der Fluss wenig W.;
das Haus steht direkt am W. (steht am Ufer, am Strand);
etw. schwimmt, treibt auf dem W.;
der Transport auf dem W. (mit Schiffen);
ins W. fallen;
diese Tiere leben im W.;
die Kinder planschten im W.;
bist du heute schon im W. gewesen? (hast du schon gebadet, geschwommen?);
er konnte sich kaum über W. halten (drohte unterzugehen);
der Taucher blieb lange unter W.;
die Boote wurden zu W. gelassen;
man kann diesen Ort zu W. oder zu Land (auf dem Wasser od. auf dem Land fahrend) erreichen;
R bis dahin fließt noch viel W. den Berg, den Bach, den Rhein o. Ä. hinunter (bis das eintritt, wird noch viel Zeit vergehen);
Spr W. hat keine/(selten:) keinen Balken (im Wasser kann man leicht umkommen);
das W. steht jmdm. bis zum Hals/bis zur Kehle/bis an die Kehle (jmd. steckt in Schulden, ist in großen Schwierigkeiten);
W. auf jmds. Mühlen sein (etw. sein, was jmds. Argumentation entgegenkommt, seine Ansicht unterstützt);
W. treten (1. sich durch schnelles Treten über Wasser halten. 2. in knöcheltiefem, kaltem Wasser umhergehen [als Heilverfahren]);
jmdm. das W. abgraben (jmds. Existenzgrundlage gefährden, jmdn. seiner Wirkungsmöglichkeiten berauben; wahrsch. urspr. auf den Betrieb der Wassermühle bezogen; wer den Wasserzulauf verändert – z. B. durch das Graben eines neuen Bachbettes –, sodass das Mühlrad nicht mehr od. mit weniger Kraft angetrieben wird, kann die Mühle stilllegen);
nah[e] am/ans W. gebaut haben (ugs.; leicht in Tränen ausbrechen; drückt aus, dass jmd. den Tränen so nahe ist wie ein am Ufer gebautes Haus dem Wasser);
wie aus dem W. gezogen sein (ugs.; völlig nass geschwitzt sein);
ins W. fallen (ugs.; nicht stattfinden, nicht durchgeführt werden können: unsere Reise ist durch seine Krankheit leider ins W. gefallen);
ins W. gehen (verhüll.; sich ertränken);
ins kalte W. springen, geworfen werden (ugs.; es wagen, sich gezwungen sehen, eine Tätigkeit aufzunehmen, die einem völlig neu, unvertraut ist);
mit allen -n gewaschen sein (ugs.; aufgrund bestimmter praktischer Erfahrungen sich nicht so leicht überrumpeln, überraschen lassen, sondern diese Erfahrungen schlau für seine Ziele ausnutzen; urspr. in Bezug auf Seeleute, die schon mit dem Wasser verschiedener Ozeane in Berührung gekommen waren, also weit gereist u. daher sehr erfahren waren);
sich, (seltener:) jmdn. über W. halten (durch etw. mühsam seine, jmds. Existenzgrundlage sichern: sich mit Gelegenheitsjobs über W. halten).
2. <Pl. -> Gewässer:
ein tiefes, [langsam, schnell] fließendes W.;
Spr stille W. sind/gründen tief (hinter stillen, ihre Gefühle u. Ansichten nicht äußernden Menschen verbirgt sich mehr, als man denkt);
ein stilles W. sein (still, zurückhaltend in der Äußerung seiner Gefühle u. Ansichten [u. schwer zu durchschauen] sein).
3. <Pl. Wässer> [alkoholische] wässrige Flüssigkeit:
wohlriechende, duftende Wässer;
kölnisch[es] W.
4. <o. Pl.>
a) wässrige Flüssigkeit, die sich im Körper bildet:
W. (eine krankhafte Ansammlung von Gewebsflüssigkeit) [in den Beinen] haben;
jmdm. läuft das W. im Mund zusammen (ugs.; jmd. bekommt bei verlockend zubereitetem Essen sogleich Appetit);
b) (ugs.) Schweiß:
das W. lief ihm von der Stirn;
c) (verhüll.) Urin:
das W. nicht halten können;
W. lassen (verhüll.; urinieren);
sein W./sich das W. abschlagen (salopp; [von Männern] urinieren);
d) Tränenflüssigkeit.

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Wasser,
 
chemische Verbindung von Wasserstoff und Sauerstoff (Wasserstoffoxid), H2O.
 
Physikalische und chemische Eigenschaften:
 
Reines Wasser ist eine geruch- und geschmacklose, durchsichtige, in dicker Schicht bläulich schimmernde Flüssigkeit. Es erstarrt unter Normdruck (1 013,25 hPa) bei 0 ºC zu Eis und geht bei 100 ºC in Wasserdampf über; der Gefrierpunkt (Eispunkt) und der Siedepunkt (Dampfpunkt) des Wassers sind die Fundamentalpunkte der Celsius-Temperaturskala (Grad Celsius). Natürliches Wasser besteht aus einem Gemisch von Wassermolekülen, in dem mit 99,99 % Moleküle überwiegen, die das Wasserstoffisotop 1H und das Sauerstoffisotop 16O enthalten; in sehr geringen Mengen liegen Moleküle mit den Wasserstoffisotopen 2H (Deuterium, D) und 3H (Tritium, T) sowie den Sauerstoffisotopen 16O, 17O und 18O vor. Deuteriumoxid, D2O, das schwere Wasser, ist mit einem Anteil von etwa 0,015 % in natürlichem Wasser enthalten. Wasser zeigt bei der Dichte ein anomales Verhalten: Erwärmt man es von 0 ºC, steigt die Dichte zunächst an und erreicht bei 4 ºC ihr Maximum; bei weiterem Erwärmen nimmt sie wieder ab (Anomalie des Wassers). Auch beim Übergang vom flüssigen in den festen Zustand tritt (infolge Volumenvergrößerung) eine Erniedrigung der Dichte ein. Eis schwimmt deshalb auf Wasser. Die Volumenvergrößerung von etwa 9 % beim Gefrieren von Wasser bewirkt bei Frost z. B. das Platzen von mit Wasser gefüllten Gefäßen sowie die Frostsprengung von Gesteinen. Durch Druckerhöhung vermindert sich die Gefriertemperatur etwas, je 1 000 hPa um 0,007 ºC. Unter erhöhtem Druck, z. B. in Kesseln, kann flüssiges Wasser auch über 100 ºC flüssig bleiben.
 
Die spezifische Wärmekapazität des Wassers von 4,186 8 J/(g · K) bei Erwärmung von 14,5 auf 15,5 ºC wurde früher zur Definition der Wärmeeinheit Kalorie verwendet - zum Vergleich: 4,217 6 J/(g · K) bei 0 ºC, 4,205 0 J/(g · K) bei 90 ºC. Die Schmelzenthalpie von Wasser (Eis) beträgt bei 0 ºC 333,5 kJ/kg (6,01 kJ/mol), die Verdampfungsenthalpie bei 100 ºC und Normaldruck 2 257,1 kJ/kg (40,7 kJ/mol). Die thermodynamische Temperatur des Wassers an seinem Tripelpunkt, an dem die drei Phasen Eis, flüssiges Wasser und Dampf im Gleichgewicht vorliegen, beträgt 273,16 K (0,01 ºC) bei einem Druck von 612 Pa; die kritische Temperatur und der kritische Druck des Wassers betragen 647,3 K (374,15 ºC) beziehungsweise 221,3 · 105 Pa (Zustandsdiagramm des Wassers, p-T-Diagramm). Überkritisches Wasser spielt wegen seines Lösungsvermögens für viele Stoffe, z. B. bei der Mineralbildung durch Pneumatolyse, eine Rolle. Chemisch reinstes Wasser wird meist durch mehrfache Destillation (Aqua destillata) oder Entmineralisation in Ionenaustauschern (Aqua demineralisata) hergestellt. Es besitzt eine sehr geringe elektrische Leitfähigkeit, sodass sich durch deren Messung der Reinheitsgrad des Wassers bestimmen lässt.
 
Im Wassermolekül sind die beiden Wasserstoffatome durch homöopolare Bindungen so an den Sauerstoff gebunden, dass das Molekül ein gleichschenkliges Dreieck bildet, wobei der Winkel H—O—H 104,5º beträgt. Die Ladungsdichte des gemeinsamen Elektronenpaares jeder O—H-Bindung verteilt sich wegen der unterschiedlichen Elektronenaffinität nicht symmetrisch auf der Bindungsachse, sondern befindet sich näher am Sauerstoffatom. Das Wassermolekül hat deshalb ein beträchtliches Dipolmoment, und durch die ungleiche Ladungsverteilung wird infolge wechselseitiger elektrostatischer Anziehung die Ausbildung von Wasserstoffbrückenbindungen zwischen Wassermolekülen ermöglicht. Dabei entstehen auch geordnete Molekülgruppen (Cluster). Wasser besitzt mit 80,35 bei 20 ºC eine der höchsten Dielektrizitätszahlen aller Flüssigkeiten; diese bewirkt, dass zwei elektrisch geladene Körper in Wasser nur einen kleinen Bruchteil der Kraft wie im Vakuum aufeinander ausüben. Daher ist Wasser eines der besten Lösungsmittel für alle polaren Verbindungen; unpolare Stoffe werden dagegen nur schlecht gelöst. Viele Stoffe, v. a. Salze, werden beim Lösen in Wasser mehr oder weniger stark in elektrisch geladene Atome oder Moleküle (Ionen) gespalten. Außerdem tritt beim Lösen von Stoffen Dampfdruckerniedrigung auf, die eine Gefrierpunktserniedrigung beziehungsweise eine Siedepunktserhöhung des Wassers bewirkt; diese beiden Effekte werden zur Molekülmassenbestimmung gelöster Stoffe benutzt. Auch Gase werden zum Teil von Wasser gelöst; von besonderer Bedeutung für Lebewesen sind v. a. der Sauerstoff- und der Kohlendioxidgehalt des Wassers. - Viele Substanzen bilden mit Wasser wegen des Dipolmomentes seiner Moleküle chemische Verbindungen (Hydrate); in Kristallen molekular gebundenes Wasser wird als Kristallwasser bezeichnet.
 
Reines Wasser ist nur minimal dissoziiert, worauf seine geringe elektrische Leitfähigkeit beruht. Die Dissoziationskonstante besitzt für die Reaktion H2O H+ + OH- bei 25 ºC den Wert 1,8 · 10-16. Diese Dissoziation des Wassers legt den Eichpunkt der pH-Wert-Skala fest: Reines Wasser besitzt den pH-Wert 7 (Neutralpunkt). - Durch Elektrolyse lässt sich Wasser in seine Bestandteile zerlegen: An der Kathode scheidet sich Wasserstoff ab, an der Anode Sauerstoff (im Verhältnis 2 : 1). Um die Leitfähigkeit zu erhöhen, setzt man ein Salz, eine Säure oder eine Base zu.
 
Natürliches Wasser ist nicht chemisch rein, sondern enthält gelöste oder suspendierte anorganische und organische Stoffe. Regenwasser enthält v. a. Staub, Sauerstoff, Stickstoff, Edelgase und Spuren von Ammoniumnitrat und -nitrit. Die Beschaffenheit von Grund- beziehungsweise Quellwasser ist abhängig von Art und Dauer des Kontaktes mit Gesteinen im Untergrund. So liefern z. B. Granit und Sandstein meist nur gering mineralisierte (weiche) Wasser, Kalk- und Salzgesteine stark mineralisierte (harte) Wasser, v. a. mit Calcium- und Magnesiumsalzen (Wasserhärte), an denen Mineralwasser besonders reich ist; Bitterwasser enthält besonders viel Magnesiumsulfat, Eisenwasser Eisenhydrogencarbonat, Säuerlinge Kohlendioxid, Schwefelwasser Schwefelwasserstoff. Nach dem Salzgehalt unterscheidet man Süßwasser (Wasser der Binnengewässer mit nur geringer Salzkonzentration, generell unter 0,02-1 % und bei 8-12ºC ohne Salzgeschmack), Salzwasser (das Meerwasser und das salzhaltige Wasser von Binnengewässern) und Brackwasser.
 
Zum Nachweis von Wasser wurden viele Methoden entwickelt. Qualitativ lässt sich Wasser z. B. durch Gelbfärbung von farblosem, mit Kaliumtrijodoplumbat, K[PbJ3], getränktem Papier (Bildung von Bleijodid, PbJ2) oder durch Blaufärbung von weißem (entwässertem) Kupfersulfat, CuSO4 (Rückbildung des Komplexes CuSO4 · 5 H2O), nachweisen. Quantitativ kann der Wassergehalt von Verbindungen z. B. durch Umsetzen mit Calciumhydrid bestimmt werden; dabei entsteht (gemäß der Reaktionsgleichung CaH2 + H2O → CaO + 2 H2) Wasserstoff, der volumetrisch bestimmt wird. In der Lebensmitteltechnik dient z. B. das Karl-Fischer-Reagenz zur Bestimmung geringer Wassergehalte.
 
 
Freies, nicht chemisch gebundenes Wasser gibt es auf der Erde hauptsächlich in der Hydrosphäre (mehr als 99 % in den Meeren sowie als Gletscher und Oberflächenwasser des Festlandes), in der Lithosphäre (weniger als 1 % als Grundwasser und Boden- beziehungsweise Gesteinsfeuchte), in der Atmosphäre (etwa 0,001 % als Wasserdampf, Wolken und fallender Niederschlag) sowie als biologisches Wasser (etwa 0,000 1 % in Organismen). Die Hydrosphäre bildete sich bei der Abkühlung der Erde nach Unterschreitung der kritischen Temperatur des Wassers im Zusammenhang mit der Erdatmosphäre (Atmosphäre). Nach der Herkunft unterscheidet man vadoses Wasser und juveniles Wasser; die flüchtigen Bestandteile rezenter Vulkanausbrüche bestehen zu einem erheblichen Teil (zwischen 50 % und 70 %) aus Wasser; nach Schätzungen werden jährlich 0,1 km3 Wasser neu in den zwischen Atmosphäre, Festland und Meer zirkulierenden Wasserkreislauf der Erde einbezogen.
 
Als Wasserhaushalt bezeichnet man die mengenmäßige Erfassung und Bilanzierung der Elemente des Wasserkreislaufs Niederschlag (Norden) mit Reif und Tau, ober- und unterirdischer Abfluss (A), Verdunstung (V), Aufbrauch (B) und Rücklage (R) als Wasservorrat. Die Vorratsänderung im Einzugsgebiet durch Rücklage oder Aufbrauch kann positiv (Überschuss-Wasserhaushalt) oder negativ sein (defizitärer Wasserhaushalt). In Zeiten des Wasserüberflusses kann Wasser z. B. oberirdisch in Stauseen und Talsperren und unterirdisch als Grundwasser für Wassermangelperioden gespeichert werden (Retention). Die allgemeine Wasserhaushaltsgleichung N = A + V + (R — B) gilt nur für Mittelwerte über viele Jahre, nicht jedoch für einzelne Jahre oder noch kürzere Zeiträume. Auf den Unterschieden im Wasserhaushalt beruht im Wesentlichen die Einteilung der Erdoberfläche in Gebiete mit humidem, aridem oder nivalem Klima. Durch geeignete, aber auch zerstörerische Eingriffe hat der Mensch vielfach den Wasserhaushalt verändert.
 
Wasser ist eines der Hauptklimaelemente und auch maßgeblich für Verwitterung, Erosion und damit Gestaltung (Geomorphologie) der Erdkruste. Es versorgt die Pflanzen mit Nährstoffen. Die Belastung der Umwelt mit Schadstoffen gefährdet das Wasser und somit auch Flora und Fauna und die menschliche Gesundheit.
 
Durch ungünstige klimatische Bedingungen und hohe Bevölkerungsdichten besteht in vielen Gebieten der Erde ständig oder zeitweilig Wassermangel, insbesondere an Trinkwasser für die ärmere Bevölkerung. Bevölkerungswachstum und anhaltende Wasserverschmutzung werden im 21. Jahrhundert in vielen Regionen einen gravierenden Trinkwassermangel hervorrufen, militärische Auseinandersetzungen um Trinkwasser werden befürchtet. (Wassernutzung)
 
 
In den Religionen ist Wasser ein Symbol mit komplexem Bedeutungsspektrum. Als undifferenzierte, beliebig formbare Masse symbolisiert es in vielen Schöpfungsmythen den Uranfang alles Seienden; z. B. als Urgewässer (verkörpert durch den babylonischen Gott Apsu, der sich in der Urzeit mit Tiamat vereinte; den ägyptischen Nun, aus dem der Urhügel emporsteigt); im alttestamentlichen Schöpfungsbericht (1. Buch Mose 1) schwebt der Geist Gottes über den Wassern, bevor Gottes Schöpfungswerk beginnt; im indischen Mythos trägt das Wasser das goldene Weltei, in dem Brahma vor aller Schöpfung ruht. In der germanischen Mythologie befinden sich drei Quellen unter den Wurzeln der Weltesche Yggdrasil; aus einer von diesen, dem Weisheitsbrunnen Mimis, schöpft der Riese Mimir sein Wissen um die Geheimnisse der Urzeit. Der chinesische Daoismus vergleicht den Urgrund des Seins, das Dao, mit dem widerstandslosen Wasser als Quell des Lebens, zu dem alles wieder zurückkehren muss. - Im Paradies wie auch im himmlischen Jerusalem strömt das reine, göttliche Lebenswasser (z. B. Vision des Ezechiel, Ezechiel 47; Offenbarung des Johannes 22,1). Im Alten Testament wird Jahwe als »Quelle des lebendigen Wassers« bezeichnet (Jeremia 17,13). Besonders häufig tritt im Neuen Testament das Bild des Wassers bei Johannes auf (z. B.: »Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen«, Johannes 3,5 oder Johannes 4,7 folgende). In der christlichen und islamischen Mystik findet sich das Bild des Tropfens, der die im Unendlichen (im Meer des Göttlichen) aufgehende menschliche Seele versinnbildlicht. In alles vernichtender Gestalt erscheint das Wasser in der Sintflut, die aber auch neues Leben ermöglicht.
 
Das Wasser begegnet als Symbol der Fruchtbarkeit und der körperlichen, seelischen und geistigen Reinigungs- und Erneuerungskraft (Brunnen, z. B. Zam-Zam-Brunnen in der Kaaba; Quelle, Fluss, befruchtender Regen). In der Mithrasreligion befindet sich in der Nähe oder unterhalb der Tempel eine immer fließende Quelle als Symbol der Spendekraft der unendlichen Zeit. Katholische Wallfahrtskirchen sind oft über Quellen errichtet. Einigen Quellen, z. B. Lourdes, wird große Heilkraft zugeschrieben. Als heilig galten die Ströme Euphrat und Tigris, der Nil sowie der Jordan (anknüpfend an die Taufe Jesu), in Indien besonders der Ganges. Zahlreiche Pilger beten am Ganges um Sündenvergebung; die Asche von Verstorbenen wird im Ganges versenkt. Religiöse Bedeutung kommt den zum heiligen Wasser hinabführenden Stiegen (Tirthas) wie auch an Flüssen gelegenen Orten zu. Bei Wallfahrten aufgesuchtes heiliges Wasser kann im hinduistischen Glauben schlechtes Karma tilgen. - Bäder und Waschungen (z. B. der Hände und Füße) werden zur rituellen Reinigung vollzogen, damit der Gläubige sich dem Göttlichen (z. B. im Tempel) nähern kann. Sie können der Sündentilgung oder der Segnung dienen und eine Neugeburt symbolisieren (z. B. Taufe), ebenso wie Besprengungen mit (manchmal geweihtem, auch mit Substanzen wie Salz angereichertem) Wasser. Bädern wird heilende, kräftigende und lebensverlängernde Wirkung zugeschrieben. Ursprünglich gilt Wasser als machthaltige Substanz, dann auch als Ort von Geistwesen, z. B. der griechischen Najaden, germanischen Nixen (weibliche Quellgeister), der Undinen (Elementargeister), der indischen Apsaras, oder wird selbst als Gott verehrt, z. B. in Gestalt des sumerischen Ea (babylonisch Enki), Gott des unterirdischen Süßwasserozeans (Apsu), des indischen Varuna, des griechischen Poseidon (Gott des Meeres; römisch Neptun); der griechische Okeanos wird u. a. als »Vater der Götter« und als Ursprung aller Götter und Göttinnen des Wassers (Okeaniden) bezeichnet.
 
Das Wasser wird meist als weibliches Element aufgefasst, dem Mond zugeordnet, im Chinesischen dem mütterlichen, dunklen, feuchten Yin, im Gegensatz zu dem mit dem männlichen Symbol des Yang und der Sonne verknüpften Element des Feuers. Viele Völker verbanden mit dem Wasser prophetische Rede, göttliche Inspiration. In der Antike spielte das Wasser heiliger Quellen eine Rolle im Orakelwesen. Die kastalische Quelle in Delphi wurde zum Symbol dichterischer Begeisterung. Im Alten Testament wird vom »Wasser der Weisheit« gesprochen (Jesus Sirach 15,3).
 
In der Tiefenpsychologie gilt das unergründliche Wasser als Symbol des Weiblich-Mütterlichen und des Unbewussten. Wie auch in vielen Mythen (z. B. »Gilgamesch-Epos«) hat Wasser psychologisch, z. B. im Traum, einen ambivalenten Charakter, einmal tritt es als bedrohliches »Wasser des Todes«, das heißt der Vernichtung, auf, zum anderen ist es Quelle der Wiedergeburt, des Lebens, Ausdruck der Reinheit und menschlicher Schöpferkraft.
 
In der Philosophie erklärte Thales (6. Jahrhundert v. Chr.) die Herkunft aller Dinge aus dem Wasser, Aristoteles zufolge wohl deshalb, weil die Nahrung vor allem feucht sei und aus dem Feuchten das Warme entstehe und Leben gewinne. Bei Empedokles ist das Wasser eines der vier Elemente, wobei Erde, Luft und Wasser zusammengehören und dem Feuer entgegengesetzt werden. Wasser spielt in Alchimie und Naturphilosophie als Grundprinzip des Feuchten, Lösbaren, als Essenz der Pflanzen wie auch aufgrund seiner Formlosigkeit, Beweglichkeit und Flüchtigkeit als Symbol der Erneuerung und Wandlung eine Rolle.
 
 
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 A. L. Croutier: W., Elixier des Lebens. Mythen u. Bräuche, Quellen u. Bäder (a. d. Amerikan., 1992);
 
Landschaftswasserhaushalt. W.-Kreislauf u. Gewässer im ländl. Raum, Beitrr. v. B. Wohlrab u. a. (1992);
 S. Selbmann: Mythos W. Symbolik u. Kulturgeschichte (1995);
 J. Marcinek u. E. Rosenkranz: Das W. der Erde (21996);
 R. Engelmann: Mensch, W.! Report über die Entwicklung der Weltbevölkerung und die Zukunft der Wasservorräte (2000);
 T. Kluge: W. und Gesellschaft: von der hydraul. Maschinerie zur nachhaltigen Entwicklung (2000);
 
W.: Quell des Lebens-Problem unserer Zeit, hg. v. W. Niedl (Zürich 2000);
 U. Obst: Biochem. Bewertung von W. (2001).
 
Hier finden Sie in Überblicksartikeln weiterführende Informationen:
 
Hydrosphäre: Wasser und der Wasserkreislauf
 
Wasser: Eine gefährdete Ressource
 
Abwasserreinigung in kommunalen Kläranlagen
 

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Wạs|ser, das; -s, - u. Wässer [mhd. waʒʒer, ahd. waʒʒar, eigtl. = das Feuchte, Fließende]: 1. a) <Pl. Wässer> (aus einer Wasserstoff-Sauerstoff-Verbindung bestehende) durchsichtige, weitgehend farb-, geruch- u. geschmacklose Flüssigkeit, die bei 0 ºC gefriert u. bei 100 ºC siedet: klares, sauberes, frisches, abgestandenes, kaltes, lauwarmes, schmutziges, gechlortes, trübes, kalkhaltiges, hartes, weiches, enthärtetes W.; geweihtes W.; W. zum Waschen; ein Glas, ein Eimer W.; ein Tropfen, ein Liter W.; ein Zimmer mit fließendem W.; W. mit Geschmack (landsch.; Limonade); stilles W. (Mineralwasser ohne, mit wenig Kohlensäure); schweres W. (Chemie; Wasser, das statt des gewöhnlichen Wasserstoffs schweren Wasserstoff, Deuterium, enthält); W. verdunstet, verdampft, gefriert; das W. kocht, siedet; das W. tropft, rinnt, fließt, sprudelt, spritzt [aus dem Hahn]; Die Bank war nass, W. stand auf den Brettern (Kuby, Sieg 31); W. holen, schöpfen, filtern, aufbereiten, destillieren; W. [für den Kaffee] aufsetzen; W. in die Badewanne einlaufen lassen; W. trinken; er hat beim Schwimmen W. geschluckt; eine W. abweisende, abstoßende Imprägnierung; das [heiße, kalte] W. (den Hahn für [heißes, kaltes] Wasser) aufdrehen, abdrehen; die Blumen ins W. (in eine Vase mit Wasser) stellen; weil die Au ... jedes Jahr nach der Schneeschmelze unter W. steht (überschwemmt ist; Zenker, Froschfest 109); der Keller steht unter W. (im Keller steht Wasser); etw. unter W. setzen (überschwemmen, -fluten); dadurch ..., dass unbelastete von den belasteten Wässern fern gehalten werden (Freie Presse 24. 11. 89, 6); R das wäscht kein W. ab (diese Schande o. Ä. ist durch nichts zu tilgen); da wird auch nur mit W. gekocht, da kochen sie auch nur mit W. (sie vollbringen auch nichts Überdurchschnittliches; urspr. bezogen auf die [wirtschaftlichen] Verhältnisse ärmerer Leute, bei denen mit Wasser statt mit Wein, Fleischbrühe o. Ä. gekocht wurde); W. marsch! (Kommando zum Inbetriebsetzen einer Feuerspritze, einer Wasserkanone o. Ä.); W. in ein Sieb/mit einem Sieb schöpfen (sich mit etw. von vornherein Aussichtslosem, mit etw. Unmöglichem abmühen); [jmdm.] W. in den Wein gießen, schütten ([bei jmdm.] die Begeisterung dämpfen); jmdm. nicht das W. reichen können (jmdm. an Fähigkeiten, Leistungen nicht annähernd gleichkommen; im MA. wurde vor den Mahlzeiten Wasser zur Reinigung der Hände herumgereicht; die Wendung meinte urspr., dass jmd. es nicht einmal wert sei, diese niedrige Tätigkeit auszuüben); reinsten -s/von reinstem W. (1. von besonders klarem Glanz, besonderer Leuchtkraft; in der Fachsprache der Diamantenschleifer wird mit »erstes, zweites, drittes usw. Wasser« der Reinheitsgrad der Diamanten bezeichnet: ein Diamant von reinstem W. 2. von besonderer Ausprägung: ein Egoist reinsten -s; ein tief religiöser Mensch und ein Idealist von reinstem W. [Rothfels, Opposition 193]); bei W. und Brot sitzen (veraltend; im Gefängnis sein); zu W. werden (sich nicht verwirklichen lassen u. sich in nichts auflösen): und es müsste der Gottseibeiuns selbst die Hand im Spiele haben, damit alles wieder zu W. werde wie so oft in meinem Leben (Werfel, Himmel 44); b) <Pl. -> Wasser (1 a) eines Gewässers; ein Gewässer bildendes ↑Wasser (1 a): auflaufendes, ablaufendes W.; offenes (eisfreies) W.; das W. ist sehr tief; das W. steht, strömt, rauscht, plätschert, steigt, tritt über die Ufer, überschwemmt das Land; das W. des Bachs treibt eine Mühle; das W. trägt [nicht]; im Sommer führt der Fluss wenig W.; Jumbo meint, sie hätten noch allerhand W. unterm Kiel (das Wasser sei noch recht tief; Hausmann, Abel 148); ich höre das W. an die alte Barke schlagen (Kafka, Erzählungen 273); das Haus steht direkt am W. (steht am Ufer, am Strand); etw. schwimmt, treibt auf dem W.; der Transport auf dem W. (mit Schiffen); ins W. fallen; diese Tiere leben im W.; die Kinder planschten im W.; bist du heute schon im W. gewesen? (hast du schon gebadet, geschwommen?); die Flut kehrt zurück, und gurgelnd verderben Mann und Ross in verschlingenden -n (geh.; Wassermassen; Th. Mann, Tod u. a. Erzählungen 209); Du sollst die Pilgerzüge nach den heiligen -n (geh.; Fluten) des Ganges sehen (Langgässer, Siegel 398); er konnte sich kaum über W. halten (drohte unterzugehen); der Taucher blieb lange unter W.; die Boote wurden zu W. gelassen; man kann diesen Ort zu W. oder zu Land (auf dem Wasser od. auf dem Land fahrend) erreichen; R bis dahin fließt noch viel W. den Berg, den Bach, den Rhein o. Ä. hinunter (bis das eintritt, wird noch viel Zeit vergehen); Spr W. hat keine/(selten:) keinen Balken (im Wasser kann man leicht umkommen); *das W. steht jmdm. bis zum Hals/bis zur Kehle/bis an die Kehle (jmd. steckt in Schulden, ist in großen Schwierigkeiten): Ja, dieser Brief. Rohdewald schrieb ihn kurz vor seiner Verhaftung, da stand ihm das W. bis zum Hals (Loest, Pistole 144); W. auf jmds. Mühle sein (jmdm. zum Vorteil gereichen, für jmdn. eine Unterstützung darstellen); W. treten (1. sich durch schnelles Treten über Wasser halten. 2. in knöcheltiefem, kaltem Wasser umhergehen [als Heilverfahren]); jmdm. das W. abgraben (jmds. Existenzgrundlage gefährden, jmdn. seiner Wirkungsmöglichkeiten berauben; wahrsch. urspr. auf den Betrieb der Wassermühle bezogen; Wer den Wasserzulauf verändert - z. B. durch das Graben eines neuen Bachbettes -, sodass das Mühlrad nicht mehr od. mit weniger Kraft angetrieben wird, kann die Mühle stilllegen): Wir unterstützen den Nationalismus, weil er das beste Mittel ist, den Roten das W. abzugraben (Feuchtwanger, Erfolg 553); nah[e] am/ans W. gebaut haben (ugs.; leicht in Tränen ausbrechen; drückt aus, dass jmd. den Tränen so nahe ist wie ein am Ufer gebautes Haus dem Wasser): Einige haben nah am W. gebaut, andere sind durchs Leben gehärtet (Hörzu 1, 1980, 25); wie aus dem W. gezogen sein (ugs.; völlig nass geschwitzt sein); ins W. fallen (nicht stattfinden, durchgeführt werden können): unsere Reise ist durch seine Krankheit leider ins W. gefallen; ins W. gehen (verhüll.; sich ertränken); ins kalte W. springen, geworfen werden (ugs.; es wagen, sich gezwungen sehen, eine Tätigkeit aufzunehmen, die einem völlig neu, unvertraut ist u. von der man nicht weiß, ob man ihr gewachsen sein wird); mit allen -n gewaschen sein (ugs.; aufgrund bestimmter praktischer Erfahrungen sich nicht so leicht überrumpeln, überraschen lassen, sondern diese Erfahrungen schlau für seine Ziele ausnutzen; urspr. in Bezug auf Seeleute, die schon mit dem Wasser verschiedener Ozeane in Berührung gekommen waren, also weit gereist u. daher sehr erfahren waren): Aufsiepe, als alter Geheimdienstler mit allen -n gewaschen ... (Zwerenz, Quadriga 131); sich, (seltener:) jmdn. über W. halten (durch etw. mühsam seine, jmds. Existenzgrundlage sichern): sich mit Gelegenheitsjobs über W. halten; Sie hatte das Gefühl, dass sie selber es eigentlich sein müsste, die jetzt die Familie über W. zu halten hätte (H. Kolb, Wilzenbach 101). 2. <Pl. -> Gewässer: ein tiefes, [langsam, schnell] fließendes W.; an manchen Stellen waren es breite gemäßigte Bäche, und wieder an anderen waren es stehende W., die dennoch insgeheim flossen (Musil, Mann 1231); ... und irgendwo fuhr ein Raddampfer auf einem W. (Widmer, Kongress 42); Er trug ihn (= den Hut) an Bord, als wir übers große W. (über den Atlantischen Ozean) reisten, und er trug ihn in Amerika (Maass, Gouffé 171); Spr stille W. sind/gründen tief (hinter stillen, ihre Gefühle u. Ansichten nicht äußernden Menschen verbirgt sich mehr, als man denkt); *ein stilles W. sein (still, zurückhaltend in der Äußerung seiner Gefühle u. Ansichten [u. schwer zu durchschauen] sein): Ich weiß, dass du ein stilles W. bist und geübt in der Verstellung (Hacks, Stücke 287). 3. <Pl. Wässer> [alkoholische] wässrige Flüssigkeit: wohlriechende, duftende Wässer; Kölnisch[es] W. 4. <o. Pl.> a) wässrige Flüssigkeit, die sich im Körper bildet: W. (eine krankhafte Ansammlung von Gewebsflüssigkeit) [in den Beinen] haben; *jmdm. läuft das W. im Mund zusammen (ugs.; jmd. bekommt bei verlockend zubereitetem Essen sogleich Appetit); jmdn. schleifen o. Ä., bis ihm das W. im Arsch kocht (derb; jmdn. äußerst hart ↑schleifen 2): Schleifen Sie ihn meinetwegen, bis ihm das W. im Arsch kocht (Kirst, 08/15, 236); b) (ugs.) Schweiß: das W. lief ihm von der Stirn; c) (verhüll.) Urin: das W. nicht halten können; W. lassen (verhüll.; urinieren); *sein W./sich das W. abschlagen (salopp; [von Männern] urinieren); d) Tränenflüssigkeit: Den Frauen trieb es das W. (die Tränen) in die Augen (Kempowski, Tadellöser 103).

Universal-Lexikon. 2012.

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